Salzpflanzen

Die Salzpflanzen im Kurpark

Botanische Kostbarkeiten

Geschichte

Eine erste Nutzung der Salzquellen ist schon bei den Römern anzunehmen. Geschichtlich gesichert ist die auf das 8. Jh. datierte Entstehung von Salzhausen. Zu dieser Zeit wurde Salz als wertvolles Handelsgut geschätzt, das für die Küche und zur Konservierung unabdingbar war. Justus von Liebig erkannte 1824 die heilende Wirkung der Sole. Seit dieser Zeit wird das salzhaltige Wasser für Badekuren genutzt. Im Laufe des 19. Jahrhundert bekam die gesundheitliche Wirkung des Wassers immer mehr Bedeutung. Die Salzgewinnung wurde 1864 gänzlich eingestellt. Mit den Anfängen des 20. Jh. begann der allmähliche Aufstieg als Badeort mit der Neufassung der Quellen und dem Bau eines Badehauses. Die Salzstellen mit der besonderen Vegetation bestanden zu dieser Zeit schon.

Geologie

Durch die Hebung des Vogelsbergs und des Taunus im Tertiär (65-1,6 Mio. Jahre vor heute) entstanden Verwerfungsspalten der Erdkruste in der Wetterau und dem Randbereich des Vogelsbergs. Diese Spalten ermöglichten Quellaustritte. Die Salzsole, welche in Bad Salzhausen über diese Quellen an die Oberfläche tritt, hat ihren Ursprung im Gebiet von Neuhof-Fulda. Dort vorhandene Salzlagerstätten werden durch eindringendes Niederschlagswasser gelöst und in südwestlicher Richtung bis hierher in denn Kurpark transportiert, wo sie als Quellen wieder austreten.

Der Untergrund muss stimmen

Wenn der geologische Untergrund wie hier in Bad Salzhausen stimmt, fehlen nur noch die typischen Pflanzen. Von den in der Gegend weit verbreiteten Wiesenpflanzen haben nur wenige eine so hohe Salztoleranz, dass sie in den stark salzhaltigen (salinen) Bereichen wachsen können. Die wirklichen Salzpflanzen stammen von der Küste und wurden bzw. werden durch Zugvögel weitertransportiert. Auf diesem Wege haben alle Salzstellen des Binnenlandes die ihnen eigene Flora erhalten.

Viele Menschen waren fasziniert von der Andersartigkeit der Salzflora in ihrem Vegetationsbild und ihren Anpassungen an einen hohen Salzgehalt des Bodens. Daher ist seit der Mitte des 19. Jh. die Salzflora des Kurparks immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen und ihre Entwicklung ist gut dokumentiert. Von den einstmals 27 verschiedenen Arten sind im Jahr 2004 noch 15 aufgefunden worden. Zu den 27 Arten gehörten auch die beiden Salzpflanzen Ästiger Queller und Strand-Aster, welche im Umfeld der Salzquellen wuchsen. Insbesondere die Aster ist im Gegensatz zu den anderen typischen Salzpflanzen etwas größer und auffälliger.

Die Salzflora verändert sich

Seit der ersten Beschreibung der Salzflora sind viele Arten verloren gegangen oder kommen nur noch vereinzelt vor. Ursachen hierfür sind in der Veränderung des Bodens zu finden: Zu nasser Boden ist schwierig zu nutzen und wurde verstärkt Ende 19./Anfang 20. Jh. deshalb entweder über Gräben entwässert oder nicht genutzt. Beides hat Folgen für die Salzflora, welche feuchten Boden und vor allen Dingen Licht braucht. Durch die Sonnenwärme wird nämlich das Salzwasser aus dem Boden nach oben gezogen, das Wasser verdunstet und das Salz bleibt im Boden für die Salzpflanzen erhalten. Im Kurpark wird versucht diesen Anforderungen der Salzflora Rechnung zu tragen und sie so zu schützen.

Bedeutung von Binnenlandsalzwiesen

Binnenland-Salzwiesen sind durch ihre geologische und naturkundliche Besonderheit sehr seltene und exotische Biotope. In Hessen wir ihr Gesamtumfang auf 25 ha geschätzt, welcher überwiegend im Naturraum Wetterau lokalisiert ist. Daher sind diese Lebensräume in Deutschland gefährdet und gesetzliche geschützte Biotope. Im europäischen Schutzgebietsnetz NATURA 2000 gilt die Binnenland-Salzwiese als prioritärer Lebensraum. Die meisten der in Bad Salzhausen vorkommenden Salzpflanzen sind bestandsbedrohte Arten und in der Roten Liste aufgeführt.

Salzpflanzen sind besondere Pflanzen

Schaut man sich diese Pflanzen genauer an, stellt man fest, dass sie besonders derbe Haut und dickfleischige Blätter besitzen. Dabei müssen sie sich doch nicht vor Trockenheit schützen, wie Pflanzen in der Wüste – sie stehen ja in Nasswiesen. Aber das Nass ist eben Salzwasser. Wenn wir Salzwasser trinken, bekommen wir auch starken Durst. Deswegen müssen sie sich gegen das Salzwasser schützen, mit dicken Stängeln und festen Blättern.

 

Im Unteren Kurpark Bad Salzhausen vorkommende Salzpflanzen-Arten:

Erdbeerklee (Trifolium fragiferum): Zu erkennen ist der Erdbeer-Klee am besten nach der Blüte, wenn sich die Frucht gebildet hat. Diese erinnert nämlich mit etwas Fantasie an eine hellrosafarbene Erdbeere.

Salz-Milchkraut (Glaux maritima): Recht unscheinbar aber dennoch nicht zu übersehen sind die kleinen rosafarbenen Blüten des Salz-Milchkrauts, welche man von Mai bis August entdecken kann. Überwiegend an der Küste beheimatet, ist das Milchkraut selten auch an den Salzstellen des Binnenlandes anzutreffen.

Salz-Dreizack (Triglochin maritinum): Die Hauptvorkommen dieser Art befinden sich an der Nord- und Ostsee. Im Binnenland bevorzugt sie humose feuchte Salztonböden als Untergrund. Der Salz-Dreizack verfügt als typischer Halophyt über fleischige Blätter. Diese werden gerne vom Vieh gefressen und liefern gleichzeitig ein wohlschmeckendes spinatähnliches Gemüse.

Gewöhnliche Meerbinse (Bolboschoenus maritimus): Dieses typische Sauergras ist unter anderem an seinem scharf dreikantigen rauen Stängel zu erkennen. Die Art, welche gerne am Rand von Röhrichten sowohl in Salz- als auch Brackwasser (Süß- und Salzwasser gemischt) vorkommt, wurde früher häufig als Flechtmaterial genutzt.

Flügelsamige Schuppenmiere (Spergularia maritima): Etwas größer als das Salz-Milchkraut, bildet auch diese Art blass rosafarbene Blüten, welche allerdings erst zwischen Juli und September zu sehen sind. Die später ausgebildeten Samen besitzen einen breiten Hautsaum, der an Flügel erinnert, daher auch der Name der Schuppenmiere. Im Kurpark ist die Art in der Nähe des Solebades zu finden.