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Kur- und Touristik-Info
Quellenstraße 2
63667 Nidda Bad Salzhausen

Dr. med. B.S. Liebich, Badearzt a.D.

Liebich Folge 9 : Blasorchester

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, jede Jahreszeit birgt seine eigene Geräuschkulisse. Was gibt es Schöneres, als an einem lauen Apriltag dem Gesang der zurückgekehrten Singvögel zu lauschen? Nichts genieße ich mehr, als im Hochsommer auf der schattigen Gartenliege verträumt das sonore Surren

eines den Kurpark überfliegenden Segelflugzeuges zu lauschen. Im Winter ist es das Knarzen des trockenen Schnees unter meinen Füßen, das zu meinen Lieblingsgeräuschen zählt. Und nach was klingt der Herbst? Nach dem stillen und klaglosen Fallen der großen bunten Blätter, wenn frische Novemberbrisen sie aus ihren Ankern gerissen haben? Nach dem emsigen Gekreische der in den Süden ausfliegenden Kraniche? Nach purzelnden Eicheln und Kastanien? Nach altbekannten Sankt Martins-Liedern, die mir eine warme Melancholie ins Herz zaubern? Zugegeben, all diese Herbstgeräusche gibt es Jahr für Jahr. Allerdings habe ich sie in meinem Heimatort Bad Strutzheim allzu selten gehört. Warum? Es lag am alljährlich auftretenden Kurblasorchester. Nein, die Rede ist von keiner hochkarätigen Musikveranstaltung. Ich meine die unsäglichen benzinbetriebenen Laubblasmonster, die damals unmittelbar vor meiner Praxis ihr ohrenbetäubendes Unwesen trieben. Ich erlaubte mir vor einigen Jahren mal den dezenten Hinweis an das Bauamt Bad Strutzheim, ob denn nicht öfter mal der  Griff zum guten alten Laubrechen ein probates Mittel wäre, dem Laub Herr zu werden, vor allem in den frühen Morgenstunden, wenn Gott, die Welt, vor allem aber auch der Badearzt noch schläft. Gerade wenn das Laub feucht ist, ist ein feiner Metall-Laubrechen eine praktikable Alternative. So aber müssen die nassen Blätter erst einmal einzeln trocken geföhnt werden, ehe sich von der heißen Luft bewegen lassen. Die zuständigen Behörden erhörten mich aber leider nicht, kein Wunder bei dem Lärm. Als ich letztes Jahr dann nach Bad Salzhausen kam, schwante mir ob der reichhaltigen Baumvegetation schon herbstliches Ungemach, denn trotz meines fortgeschrittenen Alters gehöre ich zum Glück noch nicht zur Fraktion der senilen Bettflüchtigen und schätze es sehr, als Pensionär morgens so lange zu schlafen, wie es geht. Schon im letzten Jahr war ich positiv überrascht, wie wenig ich die Bläser hier wahrnahm und heuer kam es diesbezüglich sogar zu einer recht skurrilen Situation: Durch Scheiben meines Fensters sah ich zwar einen Arbeiter mit umgehängten Blasgerät, hörte das Ungeheuer aber nicht. Auf Nachfrage erklärte mir der nette Mitarbeiter des Gartenamtes, dass der Kurort Bad Salzhausen nur noch selten die lauten Benzinbläser einsetze, sondern nun suggestive auf die stillen,  akkubetriebenen Modelle umstelle. Großartig, das nenne ich mal einen sinnvollen Schritt in Sachen akustischer Umweltschutz. Und als wäre dies nicht schon erfreulich genug, treffe ich zwei Stunden später beim Vormittagsspaziergang auf Höhe des Kurhaushotels auf einen anderen Gartenarbeiter, der mit einem guten alten Laubrechen dem Herbstlaub an den Kragen geht. Wie schön, denn das rhythmische Zusammenkratzen bunter Herbstblätter ist ein Geräusch, das ich seit jeher mit großem Wohlgefallen und unabdingbar mit dem Herbst verbinde. In Punkto akustischer Umweltverschmutzung müsste jetzt nur noch jemand das allerorts grassierende Gejammer über das trübe Novemberwetter abstellen und schon klänge auch der Herbst so richtig gut.

Es grüßt Sie völlig geräuschlos und herbstlichen Herzens

Ihr B.S. Liebich

 
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